Preisträger 2026/2027

Tomer Gardi

Aus der Jurybegründung:

In seinem Roman „Liefern“ verfolgt Tomer Gardi die Wege derjenigen, auf deren Schultern das Tischlein-deck-dich der Plattform-Ökonomie lastet. Im digital vernetzten globalen Dorf gibt es keine Wirtshäuser, aber dafür alle Arten von Lieferdiensten. Auf Fahrrädern, E-Bikes, Motorrädern oder Rollern hetzt für einen Hungerlohn ein neues Subproletariat beladen mit würfelförmigen Rucksäcken durch die Städte, um den Appetit Privilegierter zu stillen. Tomer Gardi zeigt Facetten zeitgenössischen Alltagslebens zwischen Start-Up-Boom und Schattenwirtschaft in allen Abstufungen von Sub- und Sub-sub-Unternehmern. Für die Vernetzung von Abhängigkeits- und Herrschaftsverhältnissen findet er eine Erzählform, in der die einzelnen Geschichten wie Lieferketten miteinander verknüpft sind. Präziser als dieser Roman lässt sich das Gebiet, das ein Wirtschaftspreis umreißt, nicht anschaulich machen, zugleich fängt er in einer eigenen ästhetischen Form auf, wie unentrinnbar unser heiter konsumistischer Alltag von globalen Schuldzusammenhängen geprägt ist. Ohne zu verharmlosen gelingt es dem Autor, seinen Roman über zeitgenössische Formen des Menschenhandels auf einem schmalen Grat zwischen Humor und Tragik ans Ziel zu balancieren.