Nava Ebrahimi
Aus der Jurybegründung:
In Nava Ebrahimis Roman „Und Federn überall“ werden rund um den Stoffwechselkreislauf des weltweiten Verzehrs von weißem Fleisch im Geflügelschlachtbetrieb Möllring im Emsland die verschiedensten Ökonomien, Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse sichtbar: wirtschaftliche, politische, historische, gesellschaftliche, emotionale. Und wie die literarische Fliehkraft aus der Todeszone eines niedersächsischen Geflügelkonzerns ein vitales Panorama zeitgenössischen Lebens befreit, ist ein schöner Gegenentwurf zu kapitalistischen Optimierungsprozessen, die im Roman beschrieben werden.
Nava Ebrahimi zählt zu den wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Geboren wurde sie 1978 in Teheran. Sie besuchte die Kölner Journalistenschule und studierte Volkswirtschaftslehre in Köln, danach arbeitete sie als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland sowie der Kölner Stadtrevue. Für ihren ersten Roman „Sechzehn Wörter“ wurde sie 2017 mit dem Österreichischen Buchpreis (Kategorie Debüt) sowie dem Morgenstern-Preis des Landes Steiermark ausgezeichnet. 2021 erhielt sie in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Themen Flucht und Leben im Exil ziehen sich leitmotivisch durch ihr Werk. Nava Ebrahimi lebt mit ihrer Familie in Graz. Seit 2025 ist sie Kolumnistin der Süddeutschen Zeitung.
