Preisträger 2021/2022

Christoph Nußbaumeder

Aus der Jurybegründung:

Die Unverhofften sind das Romandebüt von Christoph Nußbaumeder. Im Auf und Ab einer Sägewerksdynastie verdichtet der bisher vor allem als Dramatiker gefeierte Autor die Geschichte eines Jahrhunderts. Erzählt wird, wie sich Arbeitsverhältnisse und Ideologien ändern und Patriarchen zu Investoren und Spekulanten werden, die ihren wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr im realen Umgang mit Materialien wie Holz erzielen, sondern auf dem Finanzmarkt. Christoph Nußbaumeder bringt zusammen, was sich eigentlich ausschließt: Konstellationen, die einer antiken Schicksalstragödie würdig wären, mit einer glasklaren Chronik deutscher Wirtschaftsgeschichte; romantische Leidenschaften mit kaltem Kalkül; belletristische Lust mit soziologischer Präzision. Mit der Genauigkeit eines Historiografen zeichnet er den Weg nach, der anfangs des letzten Jahrhunderts mit dem Auswanderungswunsch einer entehrten jungen Frau ganz unten beginnt und für ihren Enkel in der Chefetage eines Münchner Unternehmenshochhauses endet.